Auf ihrem neuen, sechsten, Studioalbum "Here I Am" beweisen Groundation erneut, dass im Bereich des Reaggae auch nach Bob Marley starke musikalische Aussagen möglich sind. Dabei gibt man sich einerseits genrebewusst verhaftet in der klassischen Periode der 70er, andererseits aber auch innovativ, was die Eingliederung frischer Stilelemente betrifft.
Groundation
- "Here I Am"
"Here I Am" setzt ein mit einer puckernden Hammond-Orgel, die an Booker T. Jones erinnert das soulige Ambiente weicht jedoch mit einsetzendem Gesang (Harrison Stafford bringt stilsicher seinen passend jamaikanischen Zungenschlag ein) einem klassischen Roots-Reaggae-Sound. Mehrstimmige, geradezu metallisch glänzende Vokalarrangements und Bläsereinsatz erinnern einmal mehr an den Übervater Bob Marley, wobei das Songwriting von Groundation thematisch und von der Umsetzung her diesen Vergleich nicht zu scheuen braucht.
Dass die Gruppe nicht in Jamaika, sondern in Kalifornien angesiedelt ist, hört man an der ungeheuren Präzision und Raffinesse, mit der die Musiker zu Werke gehen: Der Auftakt zu "Not So Simple" könnte hierfür exemplarisch genannt werden hier ist es eindeutig Jazzrock, der über den Reaggae-Kamm geschoren wird. Die komplett analoge Aufnahme (die Musiker gelten als ausgesprochene Digitalverächter) sorgt zudem für einen voluminösen Sound konsequenter wäre nur eine Vinylpressung.
Schwache Füllstücke gibt es auf der Platte nicht, obwohl das Tempo auch mal bis zum Meditativen zurückgenommen wird. Definitive Höhepunkte stellen das titelgebende, hymnische "Here I Am" und der Song "Beating Heart" dar, beide mit brillanten Trompetensolos von David Chachere. Dies ist jedenfalls (endlich?) wieder einmal eine Reaggae-Platte, die sich lohnt!
Frank Bongers
CD: Groundation - "Here I Am" (Naive Records/Indigo NV 818511)
Groundation im Internet: www.groundation.com
Naive Records im Internet: www.naive.fr
Cover: n.n.