Wenn die New Yorker Underground-Truppe "Totem>" ihren Sonnenofen anwirft, zerschmelzen in der Gluthitze die Klänge der eigentlich "herkömmlichen" Instrumente Kontrabass, Gitarre und Schlagzeug zu einer brodelnden, in dieser Form nie gehörten Klangmasse.
Totem>
- "Solar Forge"
Wer sich auf dieses, auf dem Label ESP erschienene Werk einlässt, sei gewarnt: Das akustische Erzeugnis, das Bruce Eisenbeil (g), Tom Blancarte (b) und Andrew Drury (dr) hervorbringen, hat mit Musik nur bedingt zu tun manch einer würde "Solar Forge" ohne zu zögern als "Krach" bezeichnen. Dabei verstecken sich unter der schroffen Oberfläche überraschend filigrane Strukturen.
Bei näherem Hinhören verblüffen die vier Stücke (das kürzeste knapp unter zehn Minuten) durch eine Vielfalt, die doch auf ein gerüttelt Maß an Planung bei den Aufnahmen schließen lässt bei "Blooming Ore" beispielsweise glaubt man bei bestimmten Passagen Alphörner zu hören (die selbstverständlich nicht wirklich dabei sind).
Die recht elaborierten Linernotes von Michael Parker erläutern, das hier bei sonst freier Improvisation "darauf geachtet wurde, dass man nicht erschließen könne, welcher Klang von welchem Instrument" stamme. Das ist zweifellos gelungen und versetzt den Hörer nach einer Weile (eine gewisse Vorliebe für Kakophonie vorausgesetzt) in eine meditative Trance. Zumindest, bis die Band wieder unvermutet zuschlägt...
Schön, dass sich ein Label dieser Musik für Randgruppen annimmt! Neben den wunderschönen Reissues des eigenen Backkatalogs kümmert sich ESP somit auch um die junge Szene der kantigeren Fraktion. Es muss ja nicht immer um Kommerz gehen. Gut so.
Frank Bongers
CD: Totem> - "Solar Forge" (ESP Records ESP 4046)
Bruce Eisenbeil im Internet: www.eisenbeil.com
Tom Blancarte im Internet: www.tomblancarte.com
Andrew Drury im Internet: www.andrewdrury.com
ESP Records im Internet: www.espdisk.com
Cover: M. P. Landis
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- "Mural" - Review (14.2.2002)