"Machen wir mal was mit Blut, dann fällt das mehr ins Auge," mögen sich die Coverdesigner gedacht haben. Ob sie der Band damit einen Gefallen getan haben? Eher nicht. Die slowenische Gruppe Siddharta auf dieses simple, atavistisch-gewalttätige und plakative Bild zu reduzieren, wäre nicht fair.
Siddharta
– "Rh -"
Gut, es gibt sie dann doch, die Gitarrenbretter, das Martialische, die hymnenhaften Schlachtgesänge. Aber nicht nur: dagegen steht ein Gesang, der auch melodisch und feinfühlig sein kann, Melodien, die (wie beim Stück "Japan") Pop-Appeal besitzen. Manches wirkt allerdings kalkuliert, so sind die Streicherarrangements oft etwas zu viel des Guten, spiegeln eine Jetzt-gibts-was-aufs-Ohr-aber-reichlich-Attitüde wider, die die eigentlichen Songideen verstellt.
Die sind größtenteils nämlich sehr gut etwas weniger Überproduktion täte besser. Das Potential offenbart sich bei Stücken wie "Kloner", das von der Stärke der Melodie an Depeche Mode erinnert, dabei schwungvoll und positiv rüberkommt, ohne schwächlich zu wirken. Dass Siddharta nicht aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammen, hört man hier und da ("Rooskie"), was aber nicht stört. Highlights sind (auch wenn der Refrain etwas zu "fett" ausfällt) "Rave", sowie "Rain" mit seiner keltisch anmutenden Leitmelodie.
Gelegentlich erscheint der Eindruck, das Metal-Image sei etwas aufgesetzt bei den "anderen" Songs wirkt die Band eher in ihrem Element. Die neuen Laibach sind Siddharta jedenfalls nicht: Gut so. Wird noch interessant werden...
Frank Bongers
CD: Siddharta – "Rh -" (Finis Mundi/Ministry Of Sound 0030062MIN)
Siddharta im Internet: www.siddharta.net
Ministry Of Sound im Internet: www.ministryofsound.com
Cover: Ventilator