Bodenständig, britisch und traditionsbewusst klingt diese Band - und alles davon sogar in ziemlich ausgepräger Weise. Ähnlich Franz Ferdinand hört man den 22-20s ausgiebiges Quellenstudium an oder kann ihnen dies zumindest unterstellen: Wer will, hört hier Anklänge an die Who genauso wie solche an die Stones, Hendrix oder frühen R'n'B. In dieser Beziehung ist die Truppe also schon mal im Trend. Ist das alles?
22-20s
- "22-20s"
Nein - ohne das entsprechende Songmaterial in der Hinterhand wäre auch das geschmackssicherste Wühlen in alten Platten zwecks Inspiration nur eine halbe Sache. Auf dieser CD befinden sich (heutzutage muss man zwar sagen: "nur") zehn Stücke, diese allerdings allesamt auf der Qualitätsstufe "sehr brauchbar" bis "ausgesprochen genial". Echte Durchhänger gibt es nicht, und, was die Scheibe noch aufwertet, auch kein Füllmaterial (heutzutage muss man dafür dankbar sein). Highlight ist das riffbetonte "Shoot your gun", dass (je nach momentaner Stimmung) sogar in die Kategorie "bester Popsong" gerechnet werden könnte.
Der Sound ist der 22-20s ist energisch, direkt, unelektronisch und gitarrenlastig so sehr die Musiker stilistisch der Vergangenheit frönen, so sehr sind sie spieltechnisch auf der Höhe der Zeit. Puristisch, im Sinne von reduziert, agiert die Mannschaft um Martin Trimble nicht: da darf es auch mal ein Riff oder eine harmonische Wendung extra sein; man hat's ja. Schade nur, dass (wieder mal) dem ansonsten schön gestalteten Booklet keine Texte beiliegen. Vielleicht hätte die Band mehr zu sagen?
Dieser Platte gelingt es, eine knappe Dreiviertelstunde keinen Augenblick zu langweilen länger als 40 Minuten dauert sie ja auch nicht. Und dann? Dann kann man sie nochmal hören. Was will man eigentlich mehr...
Frank Bongers
CD: 22-20s - "22-20s" (EMI Records EMI 8663102)
22-20s im Internet: www.22-20s.com
EMI Records im Internet: www.emimusic.info
Cover: Paul Kelly