Andere Künstler verlieren mit den Jahren ihren Biss und veröffentlichen irrelevante Wiederaufgüsse ihrer vergangenen Erfolge diesen Vorwurf kann man Patti Smith nicht machen. Allerhöchstens, dass sie sich zu selten zu Wort meldet. Wenn es eine Stimme des kritischen Amerika gibt, der es jederzeit zuzuhören lohnt, dann ist das ihre.
Patti
Smith - "Trampin´"
War das immerhin beinahe vier Jahre zurückliegende Vorgängeralbum "Gung Ho" teilweise opulent arrangiert und erinnerte an ihre "Easter"-Periode, so kommt Patti Smith mit "Trampin`" geradezu karg daher. Beinahe holprig setzt das Album mit "Jubilee" ein, unmittelbar gefolgt vom "Mother Rose", wohl einem der schönsten Songs, den sie je aufgenommen hat... Wäre da nicht noch "Cartwheels", ebenfalls auf diesem Album zu finden: ihre musikalischen Höhepunkte setzt Patti Smith mit lyrischen Stücken.
Nein, die unterschwellig-nölige Patti Smith gibt es auch noch ("Ghandi"), die CBGB`s-Patti, die sich in Ekstase singende Patti ("My Blakean Year") beinahe jede künstlerische Phase findet sich hier wieder. Dennoch ist dieses Album aus einem Guss, ausgezeichnet aufgenommen und durchsichtig produziert: eine, nur ganz wenig milder gewordene Patti Smith, die es nicht nötig hat, sich hinter Studioeffekten zu verstecken. Und auf dem inneren Coverfoto lächelt sie sogar ein bisschen...
Schade, dass die Texte nicht abgedruckt sind. Die Musik überzeugt auch so: Vielleicht ihr bestes Album seit "Radio Ethiopia". Aber das muss die Zeit erweisen. Jedenfalls dass hier ein Song mit dem Titel "Radio Baghdad" enthalten ist, ist sicherlich kein Zufall.
Frank Bongers
CD: Patti Smith - "Trampin´" (Columbia/Sony 515215-2)
Patti Smith im Internet: www.pattismith.net
Columbia Records im Internet: www.columbiarecords.com
Cover: Melodie McDaniel