Auf der nach fast zehn Jahren Dornröschenschlaf endlich wiederveröffentlichten Platte "Force Majeure", einem Livekonzertmitschnitt, bricht Meistertrommler Simon Phillips mit seiner illuster besetzten Band Protocol eine Lanze für den Jazzrock "klassischer Prägung". Zur Seite stehen ihm dabei Anthony Jackson, Tony Roberts und Ray Russel.
Protocol
- "Force Majeure"
Der Anlaß des Konzerts hieß "Superdrumming" - und dem wird die Platte auch durchaus gerecht - doch wie schon das Cover impliziert drapiert sich der Rest der Band sehr im Hintergrund, Anthony Jackson sogar mit einem unauffälligen Schattenplätzchen. Die durchaus spektakulär präsentierten Instrumentals gefallen sich mit Hightech-Sounds von Gitarre und Saxophon - allzu oft schiebt sich jedoch das Virtuosentum vor die Musikalität.
Die bereits live durch Sequenzer eingespielten Keyboards wurden im Studio aufwendig neu overgedubbed - manchmal ein wenig viel, wenn Simon Phillips Rolls über mindestens fünfzehn Hängetoms mit Stereosequenzerglöckchen und wattigen Flächen konkurrieren müssen ("Force Majeure"). Anthony Jackson hat seinen Auftritt in "The Bottom Line" und dringt mit seinem sechssaitigen Fodera-Bass in gitarristische Soloregionen vor - leider ist der Bass im Tiefsttonbereich sonst kaum zu orten.
Zwei Highlights der Platte zeigen, wie es hätte sein können - "Blue Shoes, No Dance", ein wunderschönes Duo aus Gitarre und Saxophon und das wirklich rasante "Outback" mit Didgeridoo-Intro. Diese Art von Musik ist zwar nicht gerade zeitlos - laut gehört macht sie trotzdem Spaß ...
Frank Bongers
CD: Protocol - "Force Majeure" (M.E.L.T. / Efa CD 89021-2)
Efa Music im Internet: www.efa-music.de
M.E.L.T - Records im Internet: www.melt2000.com
Cover: Knut Schötteldreier