Der Pianist als notwendigerweise gespaltene Persönlichkeit - dieser Eindruck drängt sich bei David Gazarov wieder einmal auf. Nicht nur, daß Gazarov eine geradezu geisterhafte Unabhängigkeit in der Koordination beider Hände beweist - auf "Mad Clown´s Dream" gelingen ihm gleichermaßen sicher Trennung wie Brückenschlag zwischen Jazz und Klassik.
David
Gazarov - "Mad Clown´s Dreams"
Der Einstieg beginnt leise und verhalten - will dies eine Jazzplatte sein oder nicht? - mit Chopins "Etude No.6". Gazarovs farbenfrohe und dramatische Inszenierung pendelt zwischen Fragilität und massiv gesetzten Akkorden. Generell sind Gazarovs Solostücke hoch dynamisch - eindrucksvoll und überraschend instrumentiert, zeugen sie von seinem klassischen Hintergrund. Der kommt dann auch den jazzig orientierten Stücken zugute - seien es Eigenkompositionen oder "klassische" Standards wie "Darn That Dream", der alten Broadwaynummer.
Hier tritt Gazarov in Dialog mit dem Altmeister am Kontrabass, James Woody, dem er auch solistisch oft den Vortritt läßt. Aber Woody nimmt sich ebenso sehr zurück - in der wunderschön kontemplativen Ballade "Far & Sad Like A 1000 Miles" beginnt er erst in der zweiten Hälfte des Stückes dezente Farben zu setzen.
Höhepunkt der CD - für sich betrachtet bereits deren vollkommene Rechtfertigung - ist Gazarovs Interpretation von "Take Five", eine Tour de Force, abwechselnd gespielt mit "Daunenfeder" und "Vorschlaghammer" - so weit entfernt von Brubeck, daß es schon purer Gazarov ist ...
Frank Bongers
CD: David Gazarov - "Mad Clown´s Dreams" (Skip 9018-2)
Skip Records im Internet: www.skiprecords.com
Cover: Alexander Barjudin / Ehrenberg Werbung