John Cage mal eben nebenbei hören - unmöglich! Auch nach im Schnitt sechzig Jahren sind die meisten der auf dieser CD versammelten Kompositionen dem heutigen Verständnis von "konsumierbarer" Musik noch nicht viel nähergekommen. Dabei handelt es sich bei dem hier zu hörendem nicht einmal um die "sprichwörtlichen" Stücke mit präpariertem Piano, sondern vergleichsweise Normales ...
John
Cage - "Complete Piano Music Vol.7"
"Vol. 7" aus der Cage-Reihe von MDG zeigt ein Portrait der Periode von 1933 bis ca. 1950 - die jüngste Komposition stammt von 1948. Es sind - nach Cages eigener Definition - Stücke "angewandter", z.B. als Begleitung zu Choreographien gedachter Musik, und "autonomer" - sprich rein konzertanter - Musik. Die Kompositionen erscheinen dabei nicht chronologisch auf der Platte, sondern geordnet im Sinne einer Gesamtdramaturgie.
Ein ebenso interessantes Bild ergibt sich, wenn man die Musik in ihrer Entstehungsreihenfolge hört - beginnt man mit "Three Easy Pieces", erlebt man einen zugänglichen Cage, der mit bekannten Stimmungen "spielt" und sogar Bach´sche Fugen gekonnt imitiert. Bereits kurz danach zeigte sich der typischere Cage - eckige Intervalle und Cluster prägen das Bild. Schon die "Two Pieces" von 1935 zerfasern den anfänglichen Wohlklang der frühen Jahre, und begeben sich dann - mal schüchtern, dann tänzelnd - auf die Suche.
Dieser Suche durch die weitere Chronologie zu folgen, ist eine lohnende Angelegenheit, zumal die - ohne weitere technische Tricks lediglich in einem gutklingenden Raum gemachten - Aufnahmen vom Sound hervorragend, und die Interpretationen von Steffen Schleiermacher makellos sind.
Frank Bongers
CD: John Cage - "Complete Piano Music Vol.7"
(MDG 613 0793-2)
MDG-Records im Internet: www.mdg.de
Cover: Partitur John Cage (Ausschnitt, Edition Peters)