"Blues Vignette" ist Gwilym Simcocks zweites Album. Sein Erstling wurde besonders in England hochgelobt und machte aus dem jungen Pianisten eine Art Jamie Cullum ohne den vermeintlichen Popanstrich. Dieser wurde durch einen Anspruch "erwachsener" Musik und einer merklichen Portion Avantgarde, ersetzt. Was seinem Durchbruch in puristischen Jazzkreisen sicher zuarbeiten wird.
Gwilym
Simcock - "Blues Vignette"
Sein Trio ist mit Yuri Goloubev am Konzrabass und James Maddren am Schlagzeug schlüssig besetzt und stellt sich ganz in den Dienst ihres Namensgebers. Dieser spielt zurückhaltend, aber intensiv. Das Ganze wirkt nicht nur durch das Coverdesign arktische Eiswelten unterkühlt, aber harmoniebedürftig. Ich betone bewusst "bedürftig", denn oft klingt das Werk eher nach spontaner Improvisation denn nach harmonischem, kontrolliertem Jazzanbau.
"Blues Vignette" ist zugleich auch ein Klassik-Album, das sich Themen sucht, diese bebildert, um dann sparsam, aber verhalten spielfreudig ein Jazzbild zu kreieren. Was mich zum Blues im Albumtitel führt. Denn den konnte ich hier nicht ausmachen. Beim besten Willen nicht.
Was bleibt, ist eine gewisse Durchzugskraft, wenn es darum geht, einen grenzgängerischen Bilderbogen zwischen Klassik und Jazz zu erschaffen. Aber auch ein bisschen Wehmut, dass eben jener Blues, der sich im Albumtitel ankündigt, der Sache etwas mehr Bauchgefühl, etwas mehr Lebensfreude und Volumen gegeben hätte.
Michael Arens
2CD: Gwilym Simcock - "Blues Vignette"
(Basho Records SRCD 32-2)
Gwilym Simcock im Internet: www.gwilymsimcock.com
Basho Records im Internet: www.bashomusic.co.uk
Cover: Yoshiki Bann