Musik sei ein großes Geheimnis für ihn und soll es auch bleiben, äußerte der französische Pianist Jean-Michel Pilc in einem Interview. So verwundert auch nicht der Titel des neuen Albums "New Dreams". Die Exkursionen des Jean-Michel Pilc Trios zeugen von traumwandlerischer Sicherheit, bewegen sich in dieser produktiven Ambivalenz zwischen Festgelegtem und spontan Entstehendem.
Jean-Michel
Pilc - "New Dreams"
Dabei entscheidend sind ein Bekenntnis zur Melodik, der ausgereifte Sinn für feinste dynamische Gestaltungsmuster und Pilcs ausgesprochenes Gespür für Reduktion.
Seit 1995 lebt Pilc in New York. Wie nur wenige Europäer hat er es geschafft, auf der amerikanischen Szene Fuß zu fassen. Eine stupende Spieltechnik und das Konzept eines fortschrittlichen Mainstream haben dabei sicher geholfen. Bassist Thomas Bramerie und Schlagzeuger Ari Hoenig bzw. Mark Modesir haben wesentlichen Anteil an diesem fabelhaft eingespielten Trio. Mühelos pendelt der Franzose zwischen überschäumender Spiellust und fein ziselierter Ornamentik.
In "Satin Doll" marschiert er mal flink durch die halbe Jazzhistorie, baut weite Spannungsbögen im Sinne von Bill Evans auf, zitiert im Titelstück europäische Spätromantik und macht in weniger als drei Minuten aus Thelonious Monks "Straight No Chaser" eine Tour de Force. Manche Motive gleichen Gedankensprengseln oder kurzen Zitaten, die immer wieder eingestreut den Gang des Geschehens überraschend verändern.
Pilc hält sich fern von formalen Experimenten, ist aber hellwach für aktuelle Strömungen. Und dennoch fehlen in dieser kurzweiligen Produktion die starken Reibungsmomente. Ist vielleicht doch alles eine Spur zu virtuos?
Herbert Federsel
CD: Jean-Michel Pilc - "New Dreams"
(Dreyfus Jazz FDM 46503 69052)
Jean-Michel Pilc im Internet: www.jmpilc.com
Dreyfus Records im Internet: www.dreyfusrecords.com
Cover: n.n.