Bekannt wurde Toshinoro Kondo in den 80er Jahren durch Fusion-Klanggewitter und seine Kooperationen mit Künstlern wie Bill Laswell oder Peter Brötzmann. "Silent Melodies" ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Wie der Titel des Albums bereits andeutet, ist es hier ein ruhigeres Fahrwasser, in das sich der Trompeter begibt, und zwar solo.
Toshinori
Kondo - "Silent Melodies"
Entsprechende Aufnahmen aus den Jahren 2000 bis 2003, entstanden in Amsterdam und in der japanischen Stadt Kawasaki, allesamt von Kondo in Eigenregie produziert, komponiert, aufgeführt und aufgenommen: mehr "solo" kann ein Soloalbum wohl nicht sein. Hin- und hergerissen ist die Rezensentin indes vom Hörerlebnis ist "Silent Melodies" nun als Meisterwerk sphärischer Klangkunst zu werten, oder ist es schlichtweg zu "gleichformig" und die Musik somit bestens geeignet zum Meditieren (oder Einschlafen)?
Sobald man dem Künstler innovative Absichten zumindest unterstellt, fällt die Bewertung positiv in Richtung "Klangkunst": wabernde, echolotige, langgezogene Töne, oft nahezu in Endlosschleifen gebunden, verwischen die Übergänge zwischen den Stücken und zeugen von Kondos Expertise im Live-Umgang mit Effektpedalen und elektronischen Geräten.
Die "stillen Melodien" als elektroakustische Ausflüge in mystische Welten oder in eine etwas "zwielichte" Gegenwart so kann man dieses Album auch interpretieren. Wer solche Ausflüge mag, sei herzlich dazu eingeladen.
Carina Prange
CD: Toshinori Kondo - "Silent Melodies" (Off OCD004)
Toshinori Kondo im Internet: www.myspace.com/toshinorikondo
Cover: kiekebiche