Die Instrumentierung lässt es bereits erahnen: Hier ist eine Menge Experimentierfreude im Spiel. In der ungewöhnlichen Besetzung eines reinen Saxofon-Sextetts zeigt die amerikanisch-deutsche Formation "The Saxophone Cartel" auf ihrem Debut-Album, wie elegant es klingen kann, wenn das typischste der typischen Jazz-Instrumente einmal aus seinem Genre- und Rollen-Korsett ausbrechen darf.
Saxophone
Cartel - "Caught in the Act"
Nein, gepflegt-langweiliger Cocktail-Jazz ist das beileibe nicht, was da aus der Stereoanlage tönt, legt man "Caught In The Act", den Erstling des Cartels, ein: Da kreischt das Alt schon mal, während die beiden Tenorsaxofone einen Staccato-Groove aufbauen, das Bariton brummelnd grundiert und das Sopran mit chromatischen Tonfolgen in höchste Lagen noch einen draufsetzt. War gerade ein flotter Dixie im Anmarsch, geht es urplötzlich in schleppenden Blues-Schritten weiter. Klassischer Polyphonie ("Passacaglia") folgen impulsive Kollektiv-Improvisationen ("Ring Shout").
Frisch und ideenreich lotet die Formation um den 30-jährigen Bonner Tenor- und Baritonspieler Benjamin Himpel in dessen Eigenkompositionen die Schnittmenge von Jazz, Avantgarde und freier Improvisation aus. Ein Tipp nicht nur für Saxofon-Liebhaber.
Johannes Kloth
CD: Saxophone Cartel - "Caught in the Act" (Sundog Productions)
Saxophone Cartel im Internet: www.saxcartel.com
CD-Baby im Internet: http://cdbaby.com/
Cover: Donald Price