Chamäleon-Varieté, Berlin, 19. 2. 2002
Vincent Herring, der aus Brooklyn, New York, stammende Alt- und Sopran-Saxophonist, ist mit seinem Quartett auf Europatour. Im Rahmen der Chamäleon-Specials stellte er u.a. Stücke seiner soeben erschienenen Scheibe "Simple Pleasure" vor. Er bewies an diesem Abend, daß man ihn nicht ungerechtfertig zu den talentiertesten Jazz-Saxophonisten zählt.
Vincent
Herring
Die Musik Vincent Herrings schöpft ihre Kraft aus gewandter Improvisation, die allzeit rastlos, technisch brillant und mit einem auch im kleinen noch überzeugenden Einfallsreichtum daher kommt. Professionell versteht er es, sowohl den ruhigen und stillen, als auch den geräuschvollen Passagen intensive Phrasierung beizumischen.
Dieser Profession entspricht auch seine Zurückhaltung, wenn er einem seiner Musiker die Führung übergibt. So dem aus Italien stammenden Pianisten Renato Chicco, der stilsicher die Läufe Herrings übernimmt, um damit anschließend geschmeidig in eigene Sphären abzugleiten. Ebenso behend zeigt Essiet Essiet am Baß, daß man diesen durchaus auch für Percussioneinlagen gebrauchen kann. Das bietet sowohl dem Ohr, als auch dem Auge eine spannende Abwechslung. Abgerundet wird das Quartett durch den aus der Schweiz stammenden, rhythmische Tiefe und Farbe einbringenden Schlagzeuger Joris Dudli. In seinem Spiel verkörpert sich die Rastlosigkeit von Herrings Musik geradezu.
Der Abend war von technisch brillanter Musik erfüllt, die zeitweise, gerade hierdurch -, durchaus steril wirken kann, selbst wenn die Musiker ein sich Freispielen erkennen lassen. Dennoch, wer diese Musik kennt und liebt, dem bot sie sich voll Niveau, abwechslungsreich und schön zugleich.
Jan Lautenbach
Foto: Pressefoto